Streuobst
Streuobstwiese in der Blüte (Foto: Hans-Peter Weib)
Streuobstwiese in der Blüte (Foto: Hans-Peter Weib)

Seit Jahrhunderten sind Obstbäume unverzichtbare Begleiter des Menschen. Streuobstwiesen prägen und beleben das Landschaftsbild. Weil die Apfel-, Birnen-, Zwetsch­gen- oder Kirschbäume oftmals ganz verstreut auf den Wiesenflächen angepflanzt waren, nannte man das »Streuobstwiesen«.

Von den über 3 000 Apfelsorten Mitteleuropas sind nur 60 im deutschen Handel: Streuobstwiesen sind heute das Genreservoir alter Regionalsorten. Bis heute liefern sie den Menschen wertvolle Nahrungs­mittel. Jährlich werden etwa 100 bis 500 kg Früchte pro Baum geerntet, die gegessen oder zu Most und Saft verarbeitet werden. ANUAL Mitglieder pressen im Herbst ihren eigenen Apfelsaft. Helfen Sie mit.

An Hängen halten sie den Boden fest und schützen vor Erosion. Um Dörfer herum angelegt bieten sie Windschutz.

Ein Paradies für die Tierwelt

Die Obstblüten der Kronenschicht sind eine reiche Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Durch den Insektenreichtum sind Obstwiesen wiederum für insektenfressende Vögel und Fledermäuse bedeutsam. Obstwiesen bieten den Tieren viele Höhlen, z. B. in Bäumen, an denen Äste abgebrochen sind. Davon profitieren höhlenbrütende Tiere wie der Steinkauz, Fledermäuse wie der Abendsegler und Bilche wie der Gartenschläfer.

Für viele bedrohte Vogelarten wie Grünspecht und Steinkauz sind Streuobstwiesen letzte Rückzugs­gebiete in unserer Kulturlandschaft. Unter den Obstbäumen locken in der Krautschicht faulende Früchte sowie Wiesenblumen unzählige Schmetter­linge, Fliegen, Wespen, Käfer und Vögel an.

Bewirtschaftung

Grünspecht (Foto: Guenter Hahn)
Grünspecht (Foto: Guenter Hahn)

Bei Streuobstwiesen werden die Erträge der Bäume sowie der Wiesen, auf denen sie stehen, wirtschaft­lich genutzt. Die Wiesen unter den Bäumen werden im Sommer als Weide genutzt oder gemäht und das getrocknete Heu im Winter an die Kühe verfüttert. In solchen Obstwiesen finden viele wildlebende Tier­arten einen Lebensraum. Düngemittel werden nicht verwendet. Dadurch können sich Tier- und Pflanzen­welt ideal aufeinander einstellen. Streu­obstwiesen wei­sen zwei Stock­werke auf: Die Kronen­schicht der Bäu­me sowie die Kraut­schicht auf den Wiesen. So ermöglichen sie eine große Viel­falt an Pflan­zen und Tieren.

Bedeutung

Weil Streu­obst­wiesen eine besondere öko­logische Bedeu­tung haben, wird deren Er­haltung und Neu­anlage heute vom Staat unter­stützt. Beson­ders wichtig ist die Pflege der Jung­bäume, damit sie ein stabiles Kronengerüst entwickeln. Später reicht es, den Baum nach Bedarf zu beschneiden.