Wahler Bachtal

Schutz durch Nutzung – Erhalt und Regeneration der biologischen Vielfalt des Wahler Bachtals durch extensive Beweidung

Die Zweigestreifte Quelljungfer kann man im Herbst am Wahler Bach beobachten (Foto: Robert Klein)
Die Zweigestreifte Quelljungfer kann man im Herbst am Wahler Bach beobachten (Foto: Robert Klein)

Der Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz Asbacher Land (ANUAL e.V.) hat ein Beweidungsprojekt initiiert, das vereinseigene Flächen sowie Ausgleichsflächen des Kreises Neuwied und der Ortsgemeinde Asbach zu einer mehr als 8 Hektar großen Weidefläche verbindet und von einem engagierten Landwirt mit einer kleinen Herde Schottischer Hochlandrinder extensiv bewirtschaftet wird. Die ursprüngliche biologische Vielfalt eines durch Feuchtwiesen und Galeriewald klein strukturierten Bachtals wird so erhalten bzw. wiederhergestellt. Dieses Projekt trägt auch zum Erhalt einer robusten alten Haustierrasse bei und damit auch zu der vom Menschen direkt genutzten zur biologischen Vielfalt.

Der Wahler Bach ist ein Nebengewässer des Pfaffenbachs, der wiederum in die Wied mündet. 1995 übernahm der ANUAL die Bachpatenschaft des Wahler Baches. Es erfolgte eine vegetationskundliche Erfassung, die den hohen Grad an biologischer Vielfalt des Bachtals belegte. Der ANUAL hat aufgrund  des hohen ökologischen Wertes  die ersten Feuchtwiesen mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) im Jahr 1998  erworben und in den Folgejahren um weitere Parzellen mit Eigenmitteln, Sponsoren und Mitteln der SNU ergänzt.

Mit Eigenmitteln konnte 2013 eine noch fehlende Fläche zwischen den bereits im ANUAL-Besitz befindlichen Parzellen erworben werden und damit konnte die Umsetzung der ursprünglich geplanten, großflächigen Beweidung mit geringer Stückzahl einer alten, robusten Tierrasse beginnen. Mit Unterstützung der Biotopbetreuung des Landes haben Vereinsmitglieder den Zaun gebaut und im Herbst 2014 erfolgte die erste Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern.

Dass auch die Ausgleichsflächen des Landkreises Neuwied und der Ortsgemeinde Asbach mit in das Projekt integriert sind, ist sicher eine Erfolgsgeschichte für den Naturschutz. Das Gesamtbeweidungsprojekt bietet für alle Beteiligten einen erheblichen Mehrwert: Landkreis Neuwied und Ortsgemeinde Asbach stellen die Pflege ihrer Ausgleichsflächen kostengünstig sicher, der durchführende Landwirt hat mit mehr als 7 Hektar eine ausreichend große Fläche für ein solches Beweidungskonzept zur Verfügung und nicht zuletzt führt die Maßnahme zu mehr biologischer Vielfalt in diesem schönen Bachtal.

Hochlandrind Herde
Ende April 2015. Die kleine Herde hat in den Wintermonaten Zuwachs bekommen (Foto: Robert Klein)

Im Februar 2017 hat das Projekt eine bedeutende Erweiterung erfahren. Gefördert durch die SNU mit Mitteln der Glücksspirale konnte eine weitere Fläche erworben werden, die als trockenere Winterweide der Schonung der Feuchtflächen dienen wird. Ein Teil der neuen Fläche war bislang ein intensiv bewirtschaftetes Getreidefeld, das nun mit autochthonem Saatgut in eine artenreiche Wiese umgewandelt wird und zu einem späteren Zeitpunkt in die Beweidung integriert wird, so dass auch seltene Arten trockenerer Standorte hier einen weiteren Trittstein im Asbacher Land finden.

Bachtäler in Mittelgebirgen sind geprägt durch ein kleinräumiges Mosaik verschiedener Lebensräume, das durch traditionelle, meist extensive Bewirtschaftung entstanden ist. Es haben sich dort im Laufe der Jahrhunderte Pflanzen und Tierarten angesiedelt, die entweder typisch für den jeweiligen Lebensraum sind oder aber auch genau dieses Nebeneinander bestimmter Lebensräume brauchen. Der Einsatz von Schottischen Hochlandrindern trägt mit zum Erhalt dieser Rasse bei, die bestens für die immer wichtigere Pflege von Grenzertragsflächen geeignet ist. Die Organisation einer wirtschaftlich tragfähigen extensiven Nutzung eines weitgehend intakten Bachtals bedeutet somit den Erhalt und die Regeneration auf allen Ebenen der biologischen Vielfalt.

Von Paul Bergweiler

   

Bericht zu ANUAL Naturschutz in der VG Asbach Heft 1 Seiten 6–9 von Arnd Faulenbach